Alle Bilder auf dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt! Weitere Verwendung der Bilder

nur nach Rücksprache!

Puppenküche, 1880-1900

(Maße des Gehäuses:120cm lang, 40cm hoch -ohne Beine-, 47cm tief.)

 

Ich finde diese Küchengehäuse, das vermutlich aus den beiden Jahrzehnten vor 1900 stammt, sehr interessant, weil es noch viele Merkmale von Rauchfangküchen aufweist:

Zu allererst fällt der Brotschrank auf, der auch in vielen Rauchfangküchen vorhanden ist.

Die fest eingebauten Regale und die Halterungen für Kellen und Schöpflöffel, auch das ist eine Aussattung, die man sehr häufig in Rauchfangküchen sehen kann.

Schaut euch einmal die Küche im Deutschordenmuseum in Bad Mergentheim an

http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskun.../puppen/p11.htm

und vegleicht, wenn man einmal die Bemalung des Bodens außer acht lässt, erkennt man zwischen den Gehäusen doch einige Ähnlichkeit, oder?


Da die Küche sowohl baulich als auch farblich noch original erhalten geblieben ist, ist sie ein sehr schönes und authentisches Dokument für die Puppenküchen dieser Zeit!

Bei der Einrichtung der Puppenküche habe ich versucht, nicht allzu creativ zu sein (sieht man einmal von den Getränkekisten ab) und sie mit Geschirr und Geräten auszustatten, die vermutlich. aus der Zeit der Küchen stammen.

Neben den baulichen Merkmalen, die einige Hinweise auf die vermutete Entstehungszeit der Küche geben, liefert auch die Fachliteratur Hinweise.

Wer das Buch hat, möge bitte einmal in "Puppenküchen, 1800-1980" von Eva Stille im Kapitel "Die Puppenküche zwischen 1860 und 1900" nachlesen:

Als Merkmal für Puppenküchen dieser Zeit werden unter Anderem genannt:

"... große Küchen , 120cm Länge sind keine Seltenheit...., manchmal auf Beinen, Teilweise waren Türe angebracht, um die Küche zu verschließen."

Diese drei Merkmale finden sich auch bei meiner Küche!!
An allen Außenseiten des Gehäuses sind Häkchen angebracht, an denen vermutlich ein Deckel (zwei rechtwinklig aneinanderstoßende Bretter) befestigt wurden.
In der "puppenküchenfreien Zeit ", also dann, wenn die Küche längere Zeit nicht in Gebrauch war, konnte das Gehäuse so staubsicher aufbewahrt werden. Ein Gummistopper an der Außenwand des Gehäuses lässt darauf schließen, dass die Küche hinter einer Tür aufbewahrt wurde.

Wenn ihr im "Lirum Larum Löffelstiel" im Kapitel "Die dunklen Puppenküchen" nachlest, werdet ihr einige Merkmale der Küche wiederfinden.
Ein gravierender UNTERSCHIED zu anderen Puppenüchen dieser Zeit besteht darin, dass die meisten Küchen einen zweifarbigen, im schachbrettmuster bemalten Boden haben.

Schau euch einmal die auf Seite 102 abgebildeten Puppenküchen an, baulich haben sie viel gemeinsam mit meiner Küche. Von der Bemalung kann man dies allerdings nicht behaupten...

Wenn ich nun Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener Puppenküchen aus den Jahrzehnten vor 1900 gegenüberstelle komme ich trotzdem zu dem Schluss, dass die Küche ein gutes Beispiel für Puppenküchen aus der Gründerzeit ist, weil die Gemeinsamkeiten doch sehr deutlich hervortreten.

Noch etwas, allerdings sehr spekulatives, zum möglichen EntstehungsORT der Küche:

Die Küche weist in meinen Augen, wie schon geschreiben, sehr viel Ähnlichkeit mit der Küche im Bad Mergentheimer Museum auf, die aus der Sammlung von Johanna Kunz stammt.
Frau Kunz hat ihre Puppenstuben hauptsächlich im süddeutschen Raum zusammengetragen.
Auch meine Küche stammt aus Süddeutschland.
Kommen die Küchen möglicherweise aus der selben Werkstatt?

Ich würde dem Menschen, der diese Puppenküche gebaut hat, gerne die Hand schüttel und ihm sagen, wieviel Freude ich an ihr habe. Bestimmt würde er sich freuen wenn er wüsste, wieviel Wertschätzung seine Arbeit noch heute erfährt,,,

 

 

Viele Jahrzehnte lang war die Küche verpackt und unter einer mm dicken Schmutzschicht versteckt.

 

 

 

Die Gehäusewände sind sauber verzapft und mit Bierlasur bemalt.

 

 

Die Verarbeitung vom Holz sowie der Anstrich und die goldene Bemalung sind handwerlich perfekt gemacht worden, in dieser Küche stecken unzählige Arbeitsstunden. Meiner Meinung nach handelt es sich nicht um ein serielles Gehäuse sondern um eine Schreinerküche. Hier hat jemand sein Handwerk verstanden und wollte dies auch zeigen.

 

 

Im Bereich unter dem letzten Regalbrett befindet sich eine Abstellmöglichkeit für Holz, in den Rauchfangküchen war an dieser Stelle oft ein Kleintierstall eingebaut.

 

 

Der Brotschrank ist wunderschön und sehr sauber gearbeitet, wie die ganze Küche, wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr die feinen goldenen Zierlinien!

 

 

Faszinierend, wie detailgetreu und fein die Einbauten gearbeitet sind!

 

 

Um das Abrutschen der Teller nach vorne zu vermeiden, sind die Regalbretter an der vorderen Kante mit einer Leiste versehen, die einen leichten Überstand hat.

 

 

Die Halterung für Kellen und Löffel.

 

 

Auch der Spülbereich ist so gestaltet, wie in den Rauchfangküchen, mit einem fest eingebauten Ablaufbrett.
Obwohl es auf den ersten Blick so erscheint, ist der Spülbereich natürlich nicht aus Stein gemacht, genau wie beim Fussboden wurde die Optik von Steinen sehr genau imitiert!

 

 

 

Durchgang vom Kochraum zur Speisekammer

 

 

Kartoffelpresse aus Weissblech

Noch ein Wort zu dem Service: Es besteht aus Emaille, nach meinen Informationen wurde weiss emailliertes Geschirr etwa ab 1890 hergestellt. Vermutlich wurde das Geschirr von der Firma Bing hergestellt oder zumindest vertrieben.

 

Dieser Herd passt zeitlich besser in die Küche

 

 

Zurück zum Inhalt   Weiter mit: Jugendstilküche von Moritz Gottschalk